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  • Arbeitsfeld Arbeitszeitmanagement

Arbeitszeitmanagement im Spannungsfeld von Interessen

Bei der Gestaltung der Arbeitszeit gibt es zumindest zwei Positionen, die auf einen Nenner gebracht werden müssen:

1. Die Sichtweise der Beschäftigten

Arbeitszeit ist eine wichtige Bestimmungsgröße für Arbeits- und Lebensqualität. Sowohl unter gesundheitlichen Aspekten als auch in punkto Freizeitgestaltung sind Lage, Dauer, Verteilung und Möglichkeiten zur Mit-(Selbst-)gestaltung der Arbeitszeit elementar. Die Übereinstimmung von Personaleinsatz und Personalbedarf sichert eine gleich bleibende Arbeitsbelastung. Gute Vertretungskonzepte erleichtern die Inanspruchnahme von Urlaub und vermindern die Belastungen aus Krankenständen. Nicht zuletzt entscheiden der Umfang und oft auch die Lage (z.B. Zulagen) sowie Flexibilität (z.B. Überstunden, Bereitschaftsentgelte) der Arbeitszeit über das Einkommen.

2. Die Sichtweise der Unternehmen/Organisationen

Individuelle Arbeitszeiten sind mit den Produktions- bzw. Öffnungszeiten in Einklang zu bringen. Personal ist gleichzeitig Leistungsträger wie Kostenfaktor, weshalb sich eine fehlende Übereinstimmung von Personaleinsatz und Personalbedarf sehr schnell als Kostentreiber (Überstunden, Leerkosten, Servicequalität, Ausschuss, Unfallgefahr) auswirken kann. Eine Ausweitung der Betriebszeit und/oder Flexibilisierung der Arbeitszeit kann die Wettbewerbsfähigkeit, die Qualität der Produkte bzw. Dienstleistungen und die Höhe der Investitionen positiv beeinflussen.


Zwischen den Interessen der Beschäftigten und denen der Unternehmen entsteht ein Spannungsfeld, das wegen der fundamentalen Bedeutung von Arbeitszeit für beide Seiten durch professionelles Arbeitszeitmanagement entlastet werden muss. Dies ist eine der Kernaufgaben von Führung.


Arbeitszeitmanagement bezeichnet den Spagat zwischen Bedarfsabdeckung, Wirtschaftlichkeit und Ergonomie und zielt auf optimale Übereinstimmung des Bedarfs an Arbeitszeit und tatsächlich verfügbarer Arbeitszeit (unter Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen). Es sollen tragfähige Lösungen gefunden und gepflegt werden; Veränderungen sollen rasch und transparent ablaufen. (Eine Definition des Begriffs sowie weitere Erläuterungen finden Sie in unserem Wiki.)

Ebenen des Arbeitszeitmanagements

Vereinfacht lassen sich folgende Ebenen des Arbeitszeitmanagements unterscheiden.

Level -1: „Das war schon immer so.“
Die Arbeitszeiten sind nur historisch zu verstehen. Ob der Bedarf zu Lage und Gesamtvolumen der Arbeitszeiten passt, weiß niemand, bzw. man weiß, dass vieles nicht passt.

Level 0: „Der Nachbar macht es auch so.“
Es gibt ab und zu kleinere Neuerungen, die von anderen Unternehmen oder einer erfolgreichen Abteilung kopiert wurden. Ob sie wirklich überall passen, ist nicht klar.

Level 1: „Wir haben ein Modell! Uff!“
Für wichtige Bereiche gibt es ein kostengünstiges, rechtlich und arbeitswissenschaftlich sauberes Arbeitszeitmodell. Im Idealfall werden die Flexibilitätspotentiale des Arbeitszeitmodells zwar aktiv genutzt. Jede Änderung der Arbeitszeitmodelle ist aber ein Kraftakt.

Level 2: „Wir managen Modelle!“
Professionelles AZM: Es erfolgt eine regelmäßige Prüfung und Neugestaltung aller Modelle, Flexibilitätspotentiale werden aktiv entwickelt. Veränderungen laufen transparent und zügig ab.

Um nicht für jedes Arbeitszeitmodell die Entscheidungswege und alle Fragen völlig neu zu diskutieren, braucht es standardisierte Arbeitszeitmanagementprozesse – natürlich unter entsprechender Einbeziehung der Beschäftigten, Vorgesetzten, Belegschaftsvertretung und anderer beteiligter Gruppen. Derartige Prozesse einzuführen und am Leben zu erhalten erfordert Kraft – insbesondere der Unternehmensleitung. Werden sie aber wirksam, entlasten sie alle Beteiligten enorm.